Es kommt immer häufiger vor, dass Bewerber zum Probearbeiten eingeladen werden, bevor sie eine Zusage für die freie Stelle erhalten. Dies kann für beide Seiten – sowohl für den Arbeitgeber als auch den potenziellen Arbeitnehmer – viele Vorteile haben, gleichzeitig sollte man dabei aber darauf achten, nicht ausgenutzt zu werden. Hilfreiche Tipps zur Probearbeit finden Sie daher im folgenden Ratgeber.

Nachdem sich das Unternehmen im Vorstellungsgespräch ein Bild von allen Bewerbern gemacht hat, lädt es mitunter diejenigen, die in die engere Auswahl für die Stelle kommen, zum Probearbeiten ein. Diese Form des Auswahlprozesses ist mittlerweile in nahezu jeder Branche gang und gäbe geworden.

Häufig handelt es sich dabei nur um einen Tag, das Probearbeiten kann sich aber auch auf zwei bis fünf Tage ausweiten. Zum einen lernt der Arbeitgeber auf diese Weise seinen potenziellen Arbeitnehmer besser kennen, zum anderen kann aber auch Letzterer herausfinden, ob die Stelle seinen Vorstellungen entspricht und er sich vorstellen kann, in dem Betrieb tätig zu sein.

Lassen Sie sich nicht ausnutzen!

Besonders wenn die Probearbeit sich über mehrere Tage erstreckt, gehen viele von einer Ausnutzung der Bewerber aus, denn mitunter erledigen Sie die tatsächlich anfallenden Aufgaben des Unternehmens – und das unentgeltlich. Darum sollte ein Angebot zur Probearbeit nicht ohne Weiteres angenommen, sondern zuvor auf seine Rechtmäßigkeit überprüft werden. So kann es sich beispielsweise um eine Ausnutzung handeln, wenn der Bewerber bereits vor einem persönlichen Vorstellungsgespräch eine Einladung zum Probearbeiten erhält oder kein gesonderter Probearbeitsvertrag geschlossen wird. Auch wenn der Arbeitgeber die entsprechenden Aufgaben weder vorbereitet noch anschließend bespricht, handelt es sich womöglich um einen unseriösen Betrieb. Sollen die Tätigkeiten auf Probe zudem mehr als fünf Tage andauern, kann unter Umständen eine Ausnutzung vorliegen.

Tipps zur Vorbereitung

Möchten Bewerber die Einladung zu einem Probearbeitstag annehmen, sollten sie sich auch entsprechend vorbereiten, um einen guten Eindruck beim Arbeitgeber zu hinterlassen. Wichtige Kriterien sind zum Beispiel das Verhalten gegenüber den Kollegen sowie gegenüber Kunden. Die Lernbereitschaft und Teamfähigkeit wird mitunter auf die Probe gestellt sowie ob das benötigte Fachwissen für die Ausübung der Tätigkeit vorhanden ist. Mitunter wird auch der Umgang mit stressigen Situationen geprüft.

Für den Bewerber ist es aber genauso wichtig, sich selbst einen Eindruck vom Unternehmen zu verschaffen, etwa ob eine angenehme Arbeitsatmosphäre herrscht, wie die internen Hierarchien verteilt sind und wie hoch die Arbeitsbelastung ausfällt. Mit den folgenden Tipps kann der Tag der Übungsarbeit für Bewerber erleichtert werden:

  • Checkliste anlegen: Worauf möchten Sie während der Probearbeit achten? Welche Erwartungen haben Sie an das Unternehmen?
  • Über das Unternehmen informieren: Je mehr Sie über das Unternehmen in fachlicher Hinsicht wissen, desto besser kommt dies beim Arbeitgeber an.
  • Ausgeschlafen und pünktlich erscheinen: Am besten sollten Sie bereits einige Tage vor der Probearbeit auf Ihre Gesundheit achten, rechtzeitig schlafen gehen und auf Alkohol verzichten. Denn wer zu spät, müde oder sogar verkatert erscheint, hinterlässt keinen guten ersten Eindruck.
  • Adäquates äußeres Erscheinungsbild: Um mit der angemessenen Garderobe zu erscheinen, kann der Arbeitgeber vorab gefragt werden, ob eine bestimmte Arbeitskleidung gewünscht ist. Auch ein gepflegtes Äußeres ist für den ersten Eindruck wichtig.
  • Höflich, freundlich, bescheiden und respektvoll bleiben: Diese Umgangsformen sollten genauso bei Kritik wie bei Lob berücksichtigt werden. Haben Sie Verbesserungsvorschläge, sollten Sie diese zunächst nicht äußern beziehungsweise erst in der anschließenden Nachbesprechung unter vier Augen taktvoll ansprechen.
  • Fragen stellen: Vorgesetzte wünschen explizit, dass die potentiellen Mitarbeiter Interesse zeigen sowie sinnvolle Fragen stellen, sei es zum Unternehmen oder den einzelnen Aufgaben.
  • Engagement und Motivation: Die Aufgaben, die am ersten Tag verlangt werden, müssen Sie nicht sofort perfekt absolvieren, wichtiger ist, mit Engagement und motiviert an die Thematik heranzugehen. Bei etwaigen Problemen sollten Sie ruhig bleiben, nicht aufgeben und gegebenenfalls um Hilfe bitten.
  • Anschließende Reflexion: Nach den vielen Eindrücken, die Sie gesammelt haben, können Sie die Checkliste vervollständigen. Was ist Ihnen aufgefallen? Haben Sie sich wohlgefühlt? Sind erste Probleme aufgetreten? Können Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen? Ein Pro-und-Kontra-Liste, was dafür und was dagegen spricht, kann nützlich sein.

 

Ein Gastbeitrag von: Laura Gosemann

Laura Gosemann hat Germanistik und Linguistik an der Universität Potsdam studiert. Als freie Journalistin schreibt sie v.a. über Rechtsthemen.

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