Es ist mal wieder Zeit für eine Mittwoch-Morgen-Metapher – heute die Geschichte vom chinesischen Bambus:
Ein Gärtner legt einen Bambussamen in die Erde. Tag für Tag gießt er ihn, lockert den Boden und hält das kleine Fleckchen frei von Unkraut. Und er wartet.
Doch es geschieht: nichts.
Auch im zweiten Jahr gießt er treu weiter – und wieder zeigt sich kein Halm, kein grüner Spross, nicht das kleinste Zeichen von Leben. Im dritten und im vierten Jahr dasselbe Bild. Mancher Nachbar mag den Kopf geschüttelt haben: Wozu all die Mühe für ein Stück nackte Erde? Doch der Gärtner gießt weiter.
Und dann, im fünften Jahr, geschieht es: Der Bambus durchbricht die Erde und wächst. Nicht ein paar Zentimeter, sondern viele Meter – und das in wenigen Wochen. Was jahrelang verborgen blieb, schießt nun in schwindelerregende Höhe.
Die entscheidende Frage lautet: Ist der Bambus in diesen wenigen Wochen gewachsen – oder in den fünf Jahren davor?
Die Antwort kennt jeder erfahrene Gärtner. Während oberhalb der Erde scheinbar nichts geschah, bildete die Pflanze unter der Oberfläche ein weitverzweigtes, kräftiges Wurzelwerk. Erst dieses unsichtbare Fundament trägt all das, was später für jeden sichtbar in den Himmel wächst.
Was diese Metapher mit meiner Arbeit zu tun hat?
In meiner Arbeit als Anwalt, Mediator und Berater begegne ich immer wieder Menschen und Organisationen, die zu früh aufgeben – schlicht weil sie kein sofortiges Ergebnis sehen.
„Das BEM bringt doch nichts.“
„Da tut sich ja gar nichts.“
„Wir reden und reden – und nichts verändert sich.“
„Der Kollege kommt einfach nicht voran.“
„Die ganze Mühe lohnt sich nicht.“
Schnell entsteht der Eindruck, alles Gießen sei vergebens.
Die Geschichte vom Bambus erinnert daran, dass echtes Wachstum selten dort beginnt, wo wir es sehen können. Was an der Oberfläche wie Stillstand aussieht, ist in Wahrheit oft die Phase, in der die Wurzeln entstehen. Und ohne diese Wurzeln gäbe es später keine Höhe.
Gerade im Betrieblichen Eingliederungsmanagement ist das so. Die Rückkehr nach einer längeren Erkrankung verläuft selten geradlinig und fast nie schnell. Gespräche, Anpassungen am Arbeitsplatz, kleine Schritte – vieles davon wirkt zunächst unscheinbar. Doch genau hier entsteht das Fundament dafür, dass ein Mensch dauerhaft wieder Fuß fassen kann. Wer hier zu früh aufhört zu gießen, sieht die spätere Höhe nie.
Und auch im Arbeitsrecht und in der Mediation gilt: Manchmal scheint sich über Wochen nichts zu bewegen. Positionen wirken festgefahren, Vertrauen muss erst langsam wieder wachsen. Wer in dieser Phase Geduld aufbringt und am Fundament weiterarbeitet, erlebt oft, dass die Lösung am Ende schneller kommt, als alle gedacht hätten.
Fazit?
Die Geschichte vom Bambus ist keine Aufforderung, blind abzuwarten und zu hoffen. Wer nicht gießt, bei dem wächst auch nichts.
Aber sie ist eine Einladung, nicht jeden Tag die Pflanze auszugraben, um nachzusehen, ob die Wurzeln schon da sind.
Manchmal besteht gute Beratung genau darin, nicht nur zu fragen:
Wo ist das Ergebnis?
Sondern auch:
Was wächst gerade im Verborgenen – wenn wir nur dranbleiben?
Denn die Höhe von morgen entscheidet sich an den Wurzeln von heute.
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In puncto gesunder Arbeitskultur bin ich deutschlandweit, insbesondere in Baden-Württemberg tätig, vor allem aber in den Orten Dornhan, Rottweil, Horb am Neckar, Villingen-Schwenningen, Nagold, Oberndorf am Neckar, Altensteig, Sulz am Neckar, Schramberg, Dunningen, Eutingen im Gäu, Empfingen, Fluorn-Winzeln, Waldachtal, Starzach, Pfalzgrafenweiler, Balingen, Haigerloch, Bondorf, Mössingen, Trossingen.
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